Gedanken zur Vierten Politischen Theorie

In diesem Beitrag sollen die dem Werk Alexander Dugin`s – Die Vierte Politische Theorie – innewohnenden Gedanken und Thesen einer kurzen, persönlichen Reflektion des Autors unterzogen werden. Kernfrage dabei: Kann die Identitäre Bewegung Nektar aus dem Werk ziehen? Die Antwort zu Beginn: Sie kann.

Der in Moskau lehrende Professor für Soziologie und Geopolitik , Kreml-Berater und partieller Sympathisant eines speziellen Nationalbolschewismus ist seit den 1990er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als einer der einflussreichsten Ideengeber des Eurasismus bekannt. Diese Denkschule beinhaltet, kurz gefasst, die Bildung eines starken aber heterogenen eurasischen Blockes samt starker Position Russlands (Moskau oftmals als mythisches 3. Rom) welcher sich dem Globalismus der liberalen Weltmacht USA als selbstbewusster Großraum entgegenstellt. Zentral ist bei Dugin, in Anlehnung an einen Traditionalismus a la Rene Guenon und Julius Evola, die Rolle der Transzendenz und die als real aufgefasste Macht des Übersinnlichen, welche in dem Gedankengebäude des bekennenden Großrussen eine starke Stellung der christlichen Orthodoxie zur Folge hat.

Zunächst geht der Autor in seinem vom Arktos-Verlag ins Deutsche übersetzten Werk dem angenommenen Scheitern der drei politischen Theorien des Liberalismus (Kernfaktor: freies Individuum), Kommunismus (Klasse) und Faschismus (Staat bzw. Rasse) auf den Grund. Mit dem Ende des 21. Jahrhunderts endete für Dugin die Epoche der Moderne, welche das siegreiche Banner des Liberalismus in all seinen Schattierungen führte und immer noch führt. Da die anderen beiden Theorien zu den Verlierern des 20. Jahrhunderts gehören, scheint eine vehemente Gegnerschaft zu ihnen bei Dugin fast als lächerlich und geistige Leichenfledderei. Sein Gegner ist der Liberalismus. Und es war ein Jahrhundert der Kriege der Ideologien, ja, das Jahrhundert der Ideologien überhaupt. Jegliche über die Jahrhunderte geflochtenen Banden persönlicher Loyalität, Festigkeit und Treue schienen zuvor zerschnitten. Der Feudalismus also endgültig am Ende und der befreite Mensch auf dem Vormarsch. Die Ideologien wurden zur ,,totalen Heimat„ der Entwurzelten. Interessant ist seine These, dass der siegreiche Liberalismus nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch an sein Ende gekommen sei. Zweifellos diktiert die Rede vom abstrakt freien Individuum den globalen Diskurs und der Universalismus der liberalen Idee wird von den USA weiterhin mit Verve vertreten. Aber Dugin glaubt Schwachstellen und Brüche der siegreichen Theorie offenlegen zu können. Nachfolgend ein neues Zeitalter einer ethnopluralistischen Welt revitalisierter Identitäten – sprich, eine kommende Intensivierung des Lebens.

Wir können dem Denker Dugin zustimmen, dass der Liberalismus, in mannigfaltigen Schattierungen und parteipolitisch heterogen, sich heute im globalen Maßstab anmaßt das ,,Ende der Geschichte„ unentwegt einzuläuten und mit seiner globalistischen Menschenrechtsdoktrin, samt ehrloser Kriege rund um den Erdball, eine Alternativlosigkeit propagiert die nicht existiert. Außerhalb der liberalen Wertmaßstäbe scheint man nicht denken und argumentieren zu dürfen. Aber seien wir sicher, es bleibt dennoch dabei: Es gab andere Welten, es gibt andere Welten und es wird andere Welten geben.

Größere Zweifel mögen bei Dugin`s Einschätzung angebracht sein, dass der Liberalismus fertig habe, da er die gegenwärtige Realität nicht mehr erklären könne. Aber schafft es nicht jede Ideologie, erst recht eine so elastische wie der Liberalismus, den Blick auf die Realität entsprechend zu biegen? Der Russe setzt auf einen multipolaren Aufstand gegen das ,,Ende der Geschichte„. In Anlehnung an Carl Schmitt verficht er eine Ordnung von kulturell geprägten Großräumen, welche sich aus den Angelegenheiten in der Ferne heraushalten und keiner falschen Anmaßung von Wissen gegenüber Fremden anheimfallen. Die Vierte Politische Theorie soll dabei keine entstaubte Kombination der Ideologien des Kommunismus und des Faschismus sein, sondern eine Ideologie der Tradition unter den Bedingungen der sich entfaltenden Postmoderne, die innerlich und ideologisch als fehlgelaufenes Projekt mit aller Deutlichkeit abgelehnt wird. Die Identitäre Bewegung als eine, vorläufig kleine, aber wachsende Antwort der fragenden Jugend unseres Europas, hat keine Veranlassung die geistig-kulturellen Brachen ihrer Umwelt, also die Welt der beginnenden Postmoderne, zu erhalten – aber auch nicht zur aktionistischen Zerstörung zu schreiten. Die Struktur der postmodernen Gesellschaft soll erfasst werden, aber nur um sie besiegen zu können.

Die offene Ausgestaltung der Vierten Politischen Theorie bietet ausreichend Raum für Interpretationen. Dies ist von Dugin ausdrücklich gewünscht. Manche mögen sagen es ist zu viel Raum. Aber da es das Wesen der Rechten ist kein in sich geschlossenes System entwickeln zu wollen, da die Wirklichkeit zu Komplex ist um sie in ein Schema zu pressen, ist dies eher von Vorteil. Des Weiteren entspricht die partielle Unschärfe auch dem Respekt vor den Unterschieden der von dem Russen skizzierten zivilisatorischen Großräume. Die Öffnung , der Raum, bei Dugin, ist insbesondere jener hin zur Transzendenz und dies verankert in der Fülle an Traditionen, Mythen und Kulturen die den Planeten in rasant abnehmenden Reichtum prägten und prägen. Der Autor der Vierten Politischen Theorie glaubt, dass die umwälzenden Krisen des unipolaren Systems unweigerlich kommen werden und er glaubt an eine Urkraft des Chaos, nicht als Zustand totaler Verwirrung und Unordnung, sondern als mythischer Urgrund aus dem Neues und Ewiges entspringt und geschöpft werden kann. Ein komplexeres System der Ordnung also und aus den Tiefen kommend. So oder so, die Lektüre der Vierten Politischen Theorien sei den Identitären, und nicht nur ihnen, zur Lektüre empfohlen. Es ist ein Amalgam aus Analyse, philosophischen Elementen und atmendem Theoriegebäude. Es liegt an unseren Völkern und ihren sich berufen fühlenden Wächtern dies fruchtbar zu gestalten und mit regionalen, nationalen und europäischen Noten zu versehen.

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